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HNO-Heilkunde · Notfall

Hörsturz: Ursachen, Abklärung und Behandlung

Ein Hörsturz ist ein plötzlicher, meist einseitiger Hörverlust ohne erkennbaren äußeren Auslöser. Die rasche HNO-ärztliche Abklärung entscheidet mit über die Prognose.

Dr. med. Eva Sommer·28. Juni 2026·7 Min.

Ein Hörsturz bezeichnet einen plötzlich auftretenden, in der Regel einseitigen sensorineuralen Hörverlust, für den sich zunächst keine äußere Ursache finden lässt. Fachlich spricht man vom idiopathischen sudden sensorineural hearing loss. Betroffene bemerken die Hörminderung häufig am Morgen oder innerhalb weniger Stunden, oft begleitet von einem Druckgefühl im Ohr, Ohrgeräuschen oder Schwindel. Weil das Innenohr empfindlich auf Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen reagiert, gilt der Hörsturz als dringlicher Fall für die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Welche Symptome auf einen Hörsturz hindeuten

Das Leitsymptom ist der plötzliche Hörverlust auf einem Ohr, der von einer leichten Minderung bis zur Ertaubung reichen kann. Viele Betroffene beschreiben zusätzlich ein Gefühl von Watte im Ohr. Häufige Begleitsymptome sind:

  • einseitiger Tinnitus, also ein Pfeifen, Rauschen oder Brummen im betroffenen Ohr
  • ein dumpfes Druck- oder Völlegefühl
  • Schwindel oder Gangunsicherheit, wenn auch das Gleichgewichtsorgan beteiligt ist
  • verzerrtes Hören und Schwierigkeiten, Töne richtig zuzuordnen

Typischerweise fehlen Schmerzen. Treten Ohrenschmerzen, Fieber oder Ausfluss auf, spricht das eher für eine entzündliche Ursache, die getrennt abgeklärt wird.

Mögliche Ursachen und Hypothesen

In den meisten Fällen bleibt die genaue Ursache unklar, weshalb vom idiopathischen Hörsturz gesprochen wird. Diskutiert werden mehrere Mechanismen, die einzeln oder kombiniert eine Rolle spielen könnten. Dazu zählen Durchblutungsstörungen der feinen Innenohrgefäße, virale Infektionen des Hörnervs oder der Hörschnecke sowie entzündliche und immunologische Prozesse. Auch eine gestörte Regulation der Innenohrflüssigkeit wird als Erklärungsansatz genannt. Die Datenlage lässt bislang keine eindeutige Zuordnung zu, sodass die Modelle nebeneinander bestehen.

Von diesem idiopathischen Hörsturz abzugrenzen sind erkennbare Auslöser wie ein akuter Lärmschaden, ein Ohrschmalzpfropf, eine Mittelohrentzündung oder ein Barotrauma. Seltener stehen neurologische Erkrankungen dahinter. Diese Ursachen werden im Rahmen der Abklärung gezielt gesucht, weil sie eine andere Behandlung erfordern.

Wie der Hörsturz abgeklärt wird

Am Anfang steht die Anamnese mit Fragen nach Beginn, Verlauf, Begleitsymptomen und möglichen Auslösern. Die otoskopische Untersuchung prüft, ob der Gehörgang frei und das Trommelfell unauffällig ist. Zentral ist die audiologische Diagnostik. Ein Reintonaudiogramm zeigt Ausmaß und Muster des Hörverlusts, Stimmgabelprüfungen nach Weber und Rinne helfen, eine Schallempfindungs- von einer Schallleitungsstörung zu unterscheiden. Ergänzend kommen Tympanometrie und, bei Bedarf, weiterführende Verfahren zum Einsatz.

Besteht der Verdacht auf eine Ursache hinter dem Hörnerv, etwa bei zusätzlichen neurologischen Auffälligkeiten, kann eine Bildgebung mit Magnetresonanztomografie sinnvoll sein. Diese Abklärung erfolgt meist zeitversetzt und schließt seltene Befunde aus.

Behandlung und warum rasches Handeln zählt

Die am häufigsten eingesetzte Behandlung sind Glukokortikoide, also Kortikosteroide, die entzündungshemmend wirken sollen. Sie können als Tabletten oder Infusion gegeben oder direkt über das Trommelfell in das Mittelohr injiziert werden. Die intratympanale Gabe wird vor allem dann erwogen, wenn eine systemische Therapie nicht ausreicht oder nicht infrage kommt, etwa bei Diabetes. Ob und wie stark diese Ansätze wirken, wird in der Fachwelt weiter diskutiert, da ein Teil der Hörstürze sich auch spontan zurückbildet.

Für die Prognose gilt: Ein rascher Beginn der Abklärung wird empfohlen, weil eine früh eingeleitete Behandlung als günstiger angesehen wird. Als grober Orientierungswert gilt ein Zeitfenster von einigen Tagen. Leichtere Hörstürze erholen sich häufiger, während ausgeprägte Verluste und ein begleitender Schwindel als eher ungünstige Zeichen gelten.

Wann zum Arzt

Ein plötzlicher einseitiger Hörverlust sollte zeitnah ärztlich abgeklärt werden, idealerweise noch am selben oder am folgenden Tag. Das gilt besonders, wenn zusätzlich Tinnitus oder Schwindel auftreten. Abwarten in der Hoffnung auf spontane Besserung verschenkt möglicherweise wertvolle Zeit.

Kurz gefasst

Der Hörsturz ist ein plötzlicher, meist einseitiger Hörverlust ohne klaren äußeren Auslöser, oft begleitet von Tinnitus oder Schwindel. Die Abklärung umfasst Ohrmikroskopie und Audiometrie, Standardbehandlung sind Kortikosteroide. Weil eine frühe Behandlung als prognostisch günstig gilt, ist eine rasche HNO-ärztliche Vorstellung ratsam.

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