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Diabetologie · Versorgung

Kontinuierliche Glukosemessung: Erstattung jetzt auch bei Typ-2-Diabetes

Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung waren lange vor allem beim Typ-1-Diabetes etabliert. Erweiterte Erstattungsvoraussetzungen öffnen die Technologie nun für ausgewählte Patienten mit Typ-2-Diabetes.

Dr. med. Sophie Hofmann·14. Juni 2026·6 Min.

Die kontinuierliche Glukosemessung, meist als CGM abgekürzt, liefert über einen kleinen Gewebesensor fortlaufend Glukosewerte. Statt einzelner Momentaufnahmen aus der Fingerbeere entsteht ein durchgehendes Bild des Tagesverlaufs. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes gehört diese Technologie seit Jahren zur Regelversorgung. Für den Typ-2-Diabetes waren die Erstattungsvoraussetzungen bisher deutlich enger gefasst.

Was sich an der Erstattung ändert

Die erweiterten Voraussetzungen zielen auf eine klarer umrissene Gruppe von Patienten mit Typ-2-Diabetes ab. Im Mittelpunkt stehen Konstellationen, in denen die herkömmliche Selbstmessung an ihre Grenzen stösst oder das Stoffwechselziel damit nicht zuverlässig erreicht wird. Die konkrete Ausgestaltung richtet sich nach den jeweiligen Vorgaben der Kostenträger. Entscheidend ist, dass die Verordnung an eine nachvollziehbare Begründung und in der Regel an ein strukturiertes Behandlungskonzept geknüpft bleibt.

Für welche Patientengruppen die Messung sinnvoll ist

Nicht jeder Mensch mit Typ-2-Diabetes profitiert gleichermassen. Der Nutzen ist dort am grössten, wo Glukoseverläufe eng gesteuert werden müssen oder unbemerkte Schwankungen wahrscheinlich sind.

  • Patienten unter intensivierter Insulintherapie mit mehreren täglichen Injektionen
  • Patienten mit wiederholten oder nicht bemerkten Unterzuckerungen
  • Patienten, deren Stoffwechsel trotz konsequenter Selbstmessung instabil bleibt
  • Situationen mit stark schwankendem Tagesablauf, in denen einzelne Messungen den Verlauf nur unzureichend abbilden

Nutzen im Alltag

Der praktische Mehrwert liegt weniger im einzelnen Messwert als im Muster. Ein kontinuierlicher Verlauf macht sichtbar, wie Glukose auf Mahlzeiten, Bewegung und Medikamente reagiert. Trendpfeile zeigen an, in welche Richtung sich der Wert bewegt, was frühzeitige Anpassungen erleichtert. Für die ambulante Betreuung entsteht daraus eine Gesprächsgrundlage, die über den Laborwert HbA1c hinausgeht. Kennzahlen wie die Zeit im Zielbereich lassen sich gemeinsam besprechen und über die Zeit verfolgen.

Gleichzeitig ist die Technologie kein Selbstläufer. Sensoren müssen korrekt angelegt und regelmässig gewechselt werden, und die Datenflut will eingeordnet sein. Ohne begleitende Schulung besteht die Gefahr, dass viele Werte entstehen, aber wenig Handlungswissen. Die erweiterte Erstattung entfaltet ihren Wert daher vor allem in Verbindung mit einer strukturierten Betreuung, in der Verläufe besprochen und in konkrete Anpassungen übersetzt werden.

Bedeutung für die ambulante Betreuung

Für die Praxis verschiebt sich mit der erweiterten Erstattung weniger die grundsätzliche Behandlung als die Informationsbasis. Wo bislang punktuelle Werte und der HbA1c das Bild bestimmten, kommen nun kontinuierliche Verläufe hinzu. Das kann Gespräche konkreter machen, weil sich der Effekt einzelner Mahlzeiten oder Bewegungseinheiten unmittelbar zeigt. Zugleich entsteht ein gewisser Mehraufwand, da die Daten gesichtet und eingeordnet werden müssen. In der Abwägung sprechen viele Argumente dafür, die Technologie gezielt bei den Patientengruppen einzusetzen, die davon am ehesten profitieren, statt sie breit und ohne klare Fragestellung zu verordnen. So bleibt der Nutzen im Verhältnis zum Aufwand nachvollziehbar.

Kurz gefasst

Die kontinuierliche Glukosemessung ist nun unter erweiterten Voraussetzungen auch bei Typ-2-Diabetes erstattungsfähig. Der grösste Nutzen zeigt sich bei intensivierter Insulintherapie, unbemerkten Unterzuckerungen und instabilem Stoffwechsel. Entscheidend bleibt die Einbettung in eine strukturierte Betreuung mit Schulung.

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