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Augenheilkunde · Oberflächenerkrankungen

Trockenes Auge: Diagnostik und Stufentherapie im Überblick

Das trockene Auge ist eine der häufigsten Beschwerden in der augenärztlichen Sprechstunde. Eine strukturierte Diagnostik des Tränenfilms lenkt die stadiengerechte Behandlung.

Dr. med. Nina Berger·11. Juni 2026·6 Min.

Brennen, ein Fremdkörpergefühl, schwankende Sehschärfe und gerötete Augen: Das trockene Auge, medizinisch als Sicca-Syndrom oder Keratokonjunktivitis sicca bezeichnet, gehört zu den häufigsten Anlässen für einen augenärztlichen Besuch. Paradox erscheint, dass viele Betroffene über tränende Augen klagen. Der Reiz einer instabilen Tränenschicht löst dann eine reflektorische, aber qualitativ minderwertige Tränenproduktion aus.

Zwei Grundformen des Tränenfilms

Der Tränenfilm besteht vereinfacht aus einer wässrigen Phase und einer darüberliegenden Lipidschicht, die das Verdunsten bremst. Entsprechend unterscheidet man zwei Grundmechanismen, die sich oft überlagern. Bei der hypovolämischen Form wird zu wenig Tränenflüssigkeit gebildet. Bei der weitaus häufigeren evaporativen Form verdunstet der Film zu schnell, meist infolge einer Funktionsstörung der Meibom-Drüsen am Lidrand, deren fetthaltiges Sekret die Lipidschicht speist.

Diagnostik des Tränenfilms

Die Abklärung beginnt mit der Anamnese zu Beschwerden, Bildschirmarbeit, Medikamenten und Grunderkrankungen. An der Spaltlampe folgt die Beurteilung von Lidern, Lidkanten und Augenoberfläche. Einige orientierende Verfahren strukturieren die Einordnung:

  • Tränenfilmaufrisszeit: Sie misst, wie lange der Film nach dem Lidschlag stabil bleibt, und gibt Hinweise auf die evaporative Komponente.
  • Anfärbung der Oberfläche: Farbstoffe machen geschädigte Areale der Binde- und Hornhaut sichtbar und zeigen das Ausmass der Reizung.
  • Schirmer-Test: Ein Filterpapierstreifen erfasst die wässrige Tränenmenge und hilft, die hypovolämische Form abzugrenzen.
  • Lidrand- und Meibom-Beurteilung: Sie prüft, ob eine Drüsenfunktionsstörung als Ursache vorliegt.

Stufentherapie

Die Behandlung folgt einem gestuften Vorgehen, das sich am Schweregrad und an der zugrunde liegenden Form orientiert. Höhere Stufen bauen auf den vorherigen auf, sie ersetzen sie nicht.

  • Stufe 1: Aufklärung, Anpassung von Alltagsfaktoren und Tränenersatzmittel als Basis. Bei leichten Formen genügt dies oft.
  • Stufe 2: Konservierungsmittelfreie und höher visköse Präparate, Lidrandpflege mit Wärme und Reinigung bei Meibom-Drüsen-Störung, gegebenenfalls ergänzende Massnahmen am Lid.
  • Stufe 3: Entzündungshemmende Ansätze, da bei chronischem Verlauf eine Entzündung der Augenoberfläche eine Rolle spielt. Hier kommen ärztlich gesteuerte, teils vorübergehende Therapien zum Einsatz.
  • Stufe 4: Spezialisierte Optionen bei schweren, therapieresistenten Verläufen, etwa ein Verschluss der Tränenpünktchen oder besondere Kontaktlinsen, betreut im augenärztlichen Zentrum.

Alltagsfaktoren nicht unterschätzen

Ein grosser Teil des Behandlungserfolgs liegt ausserhalb der Tropfflasche. Langes Arbeiten am Bildschirm senkt die Lidschlagfrequenz und verstärkt die Verdunstung, weshalb bewusste Pausen und ein tieferer Blickwinkel zum Monitor helfen. Trockene Heizungsluft, Klimaanlagen und Zugluft belasten die Augenoberfläche zusätzlich. Auch bestimmte Medikamente sowie hormonelle Veränderungen können das Beschwerdebild beeinflussen. Ein realistisches Gespräch über diese Faktoren gehört daher fest zur Behandlung, ebenso der Hinweis, dass das trockene Auge oft chronisch verläuft und eine dauerhafte Pflege benötigt.

Kurz gefasst

Das trockene Auge lässt sich in eine hypovolämische und eine häufigere evaporative Form gliedern, die Diagnostik des Tränenfilms lenkt die Therapie. Behandelt wird stufenweise von Tränenersatz und Lidrandpflege bis zu entzündungshemmenden und spezialisierten Optionen. Alltagsfaktoren wie Bildschirmarbeit und trockene Raumluft haben grossen Einfluss.

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