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Pädiatrie · Infektiologie

RSV-Prophylaxe für Säuglinge: Nirsevimab in der Regelversorgung

Das Respiratorische Synzytial-Virus ist der häufigste Grund für stationäre Atemwegsinfekte im ersten Lebensjahr. Mit Nirsevimab steht ein monoklonaler Antikörper zur passiven Prophylaxe bereit.

Dr. med. Julia Krause·25. Juni 2026·5 Min.

Das Respiratorische Synzytial-Virus, kurz RSV, verläuft bei älteren Kindern und Erwachsenen meist als banaler Atemwegsinfekt. Im ersten Lebensjahr kann es dagegen zu einer Bronchiolitis mit deutlicher Atemnot führen und ist dort einer der häufigsten Gründe für eine stationäre Aufnahme. Fast alle Kinder machen bis zum zweiten Geburtstag eine RSV-Infektion durch. Besonders gefährdet sind sehr junge und ehemals frühgeborene Säuglinge.

Passive Immunisierung statt Impfung

Nirsevimab ist ein monoklonaler Antikörper, der direkt an ein Oberflächenprotein des Virus bindet und dessen Eintritt in die Atemwegszellen behindert. Es handelt sich nicht um eine Impfung, die eine eigene Immunantwort anstösst, sondern um eine passive Immunisierung. Die schützenden Antikörper werden fertig zugeführt und wirken sofort, dafür ist der Schutz auf einen begrenzten Zeitraum angelegt. Eine einzelne Gabe deckt üblicherweise eine RSV-Saison ab.

Von den älteren, mehrfach über die Saison zu verabreichenden Präparaten unterscheidet sich Nirsevimab durch die verlängerte Wirkdauer, die eine einmalige Gabe ermöglicht. Damit rückt die Prophylaxe von einer auf Risikogruppen beschränkten Massnahme näher an eine breit angebotene Leistung heran.

Anwendungszeitpunkt

Der Zeitpunkt richtet sich nach dem Geburtsdatum in Bezug auf die RSV-Saison, die in unseren Breiten meist von Herbst bis in den späten Winter reicht:

  • Kinder, die in oder kurz vor der Saison geboren werden, erhalten die Gabe idealerweise zeitnah nach der Geburt, teils noch in der Geburtsklinik.
  • Kinder, die vor der Saison geboren wurden, werden zu deren Beginn versorgt, sofern sie ihre erste RSV-Saison noch vor sich haben.
  • Kinder mit besonderen Risikofaktoren können auch in einer zweiten Saison von einer erneuten Gabe profitieren.

Praktische Hinweise

Nirsevimab wird intramuskulär verabreicht, in der Regel in den Oberschenkel. Eine gleichzeitige Gabe mit den üblichen Impfungen des Säuglingsalters ist grundsätzlich möglich, dabei werden getrennte Injektionsstellen gewählt. Die Verträglichkeit gilt nach den bisherigen Erfahrungen als gut, lokale Reaktionen an der Einstichstelle sind am häufigsten.

Für die Praxis empfiehlt sich, den RSV-Schutz frühzeitig mit den Eltern zu besprechen, am besten schon vor Saisonbeginn oder rund um die Geburt. Wichtig ist die Einordnung als ergänzende Massnahme: Sie ersetzt weder die empfohlenen Impfungen noch allgemeine Hygienemassnahmen, sondern senkt gezielt das Risiko schwerer RSV-Verläufe im vulnerablen ersten Lebensjahr. Erste Rückmeldungen aus den zurückliegenden Saisons deuten auf einen spürbaren Rückgang schwerer, stationär behandelter Verläufe hin, die abschliessende Bewertung über mehrere Saisons steht noch aus.

Kurz gefasst

Nirsevimab ist ein monoklonaler Antikörper zur passiven RSV-Prophylaxe, der mit einer einzigen Gabe eine ganze Saison abdeckt. Der Zeitpunkt richtet sich nach dem Geburtsdatum relativ zur RSV-Saison. Die Massnahme ergänzt Impfungen und Hygiene, ersetzt sie aber nicht.

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