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Endokrinologie · Bildgebung

Schilddrüsenknoten: die TIRADS-Klassifikation richtig anwenden

Schilddrüsenknoten sind ein häufiger Zufallsbefund. Die sonografische Risikostratifizierung nach TIRADS hilft, die Entscheidung zur Feinnadelpunktion nachvollziehbar zu strukturieren.

Prof. Dr. med. Katharina Reinhardt·16. Juni 2026·8 Min.

Knoten der Schilddrüse gehören zu den häufigsten Zufallsbefunden in der bildgebenden Diagnostik. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle sind sie gutartig. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, jene wenigen Knoten zu erkennen, die einer weiteren Abklärung bedürfen, ohne gleichzeitig eine grosse Zahl harmloser Befunde unnötig zu punktieren. Genau hier setzen strukturierte Bewertungssysteme wie TIRADS an.

TIRADS steht für Thyroid Imaging Reporting and Data System. Der Grundgedanke ist einfach: Der Ultraschallbefund wird anhand definierter Merkmale bewertet, jedes Merkmal erhält einen Punktwert, und aus der Summe ergibt sich eine Risikokategorie. Diese Kategorie bestimmt zusammen mit der Knotengrösse, ob eine Feinnadelpunktion, eine Verlaufskontrolle oder zunächst kein weiteres Vorgehen empfohlen wird.

Die sonografischen Kriterien im Überblick

Bewertet werden fünf Merkmalsgruppen. Sie beschreiben, wie sich ein Knoten im Ultraschall darstellt. Je auffälliger ein Merkmal, desto höher der zugeordnete Punktwert. Die folgende Tabelle fasst die Systematik in vereinfachter Form zusammen.

KriteriumMerkmalsausprägungBewertung (Punkte)
Zusammensetzungzystisch oder überwiegend zystisch0
Zusammensetzungsolide oder überwiegend solide2
Echogenitätechoreich oder isoechogen1
Echogenitätechoarm2
Echogenitätstark echoarm3
Formbreiter als hoch (transversal)0
Formhöher als breit (anteroposterior betont)3
Randglatt oder unscharf0
Randgelappt oder irregulär2
Echogene FociMakroverkalkungen1
Echogene FociMikroverkalkungen (punktförmig)3

Aus der Summe der Punkte ergeben sich Risikoklassen von unbedenklich bis hoch verdächtig. Ein rein zystischer Knoten ohne solide Anteile fällt in die niedrigste Kategorie. Ein solider, stark echoarmer Knoten, der höher als breit ist, irreguläre Ränder aufweist und Mikroverkalkungen zeigt, erreicht die höchste Risikostufe.

Warum diese Merkmale relevant sind

Die einzelnen Kriterien haben eine biologische Grundlage. Eine ausgeprägte Echoarmut, eine anteroposterior betonte Form sowie punktförmige Mikroverkalkungen sind in Untersuchungen häufiger mit malignen Befunden assoziiert. Zystische Anteile und glatte Ränder sprechen dagegen eher für Gutartigkeit. Kein Merkmal ist für sich allein beweisend, erst die Kombination erhöht oder senkt die Vortestwahrscheinlichkeit.

Konsequenz für die Feinnadelpunktion

Die Risikokategorie allein entscheidet nicht über die Punktion. Ausschlaggebend ist das Zusammenspiel aus Kategorie und Knotengrösse. Grob gilt: Je höher die Risikokategorie, desto niedriger die Grössenschwelle, ab der eine Feinnadelpunktion erwogen wird.

  • Knoten mit niedrigem sonografischem Verdacht werden oft erst ab einer deutlichen Grösse punktiert oder lediglich im Verlauf kontrolliert.
  • Knoten mit mittlerem Verdacht rechtfertigen eine Punktion bereits bei geringerer Grösse.
  • Knoten mit hohem Verdacht werden in der Regel schon bei kleiner Ausdehnung abgeklärt.
  • Sehr kleine Knoten ohne Hochrisikomerkmale werden häufig zunächst beobachtet.

Der wesentliche Nutzen dieser Systematik liegt darin, die Entscheidung transparent und reproduzierbar zu machen. Zwei Untersucher, die denselben Knoten nach denselben Kriterien bewerten, gelangen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einer vergleichbaren Empfehlung. Das reduziert sowohl übersehene Befunde als auch Punktionen, die im Nachhinein nicht notwendig gewesen wären.

Kurz gefasst

TIRADS übersetzt den Ultraschallbefund über fünf Merkmalsgruppen in eine Risikokategorie. Aus Kategorie und Knotengrösse ergibt sich die Empfehlung zur Feinnadelpunktion oder zur Verlaufskontrolle. Ziel ist eine nachvollziehbare Entscheidung, die verdächtige Knoten erfasst und unnötige Eingriffe vermeidet.

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